PETER ANGELE
Von ein paar Reisen


Goldgräber in Lombok, 2012


Dass es in Lombok neben einigen anderen Metallerzen auch Gold gibt, war bekannt. In den späten 90er Jahren begannen einige Bergbau-Gesellschaften mit professioneller Prospekti0n der Insel, insbesondere der Goldsuche. Dass die Gier nach diesem Metall aber einmal zu einem Massenphänomen und auch einer grossen Gefahr für die Umwelt und die Menschen werden könnte, damit hatte niemand gerechnet. Alles begann 2007/2008, als der Goldpreis steil anstieg. Es waren Indonesier mit chinesischen Wurzeln, die begannen, Menschen anzuheuern, um in den Bergen bei Sekotong (Südwest-Lombok) Gestein zusammenzutragen. Sie sagten ihnen nicht, wozu das gut war, dass nämlich darin Gold enthalten war. Aber bald kam man ihnen auf die Schliche. Und bald strömten Tausende nach Sekotong. Das 'Geheimnis' war keines mehr.

Es entwickelte sich ein eigentliches Goldfieber. Die Gebiete, in denen geschürft wurde, weiteten sich schnell aus, westwärts nach Pelangan, südwärts in die Umgebung von Selong Blanak (mit seinem Strand und den hohen Wellen für Surfer ein Super-Tipp). Dann wurde auch in der Nähe von Kuta Gold entdeckt, zwischen den Dörfern Bangkang und Tebuak. Seither hat sich dort, an einem Abhang zu einer wunderschönen, mit Palmenwald bestandenen Bucht, ein grosses Camp gebildet, in dem einige hundert Leute leben und nach dem begehrten Metall suchen. Ich hatte das grosse Glück, durch Hans, den Bruder meiner Lebenspartnerin und schon seit einigen Jahren in Lombok wohnhaft, einen jungen Einheimischen kennenzulernen, der dort selber gräbt. Ich konnte ihn zum Camp begleiten und dort auch ungehindert fotografieren. Voraussetzung ist, dass man gewisse 'Spielregeln' einhält. Mit Fragen zum Beispiel, wie viele Stollen schon eingestürzt sind und wie viele Menschen darunter begraben wurden, wird man sich keine Freunde schaffen und auf eisernes Schweigen treffen.



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Die Stollen - und worüber man schweigt

Das Schürfungsfeld ist übersät mit meist blauen und braunen Blachen. Unter den meisten findet man Eingangsstollen. Sie sind sehr eng und meistens – nicht alle! – mit Brettern und Balken abgestützt. Sie sind 7, 10, oder noch mehr Meter tief. Dann beginnt ein 'Geäst' von Seitenstollen. Wie es 'drinnen' aussieht, kann ich nur vermuten. Nicht jeder wird hier vorrangig auch an die Sicherheit denken. Man hört, schon Hunderte hätten auf Lombok wegen der Goldsuche ihr Leben verloren. Darüber wird geschwiegen, man redet nie darüber. Niemand kennt die genaue Zahl der Toten, aber alle wissen, dass es Aberhunderte sind. Man schweigt und verdrängt.

So komme ich denn auch an einigen eingestürzten Schächten vorbei, die jetzt als Abfallgruben dienen. Ich fragte, was in der Regenzeit passieren wird. Alle Stollen könnten überschwemmt werden. Die Arbeit würde dann eingestellt, bekomme ich zu hören. Wer's glaubt...


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Schwerarbeit und riskante Investitionen

Der Abbau geschieht ausschliesslich mit Hammer und Meissel, ohne Maschinen und ohne bergmännisches Wissen oder Ausrüstung. Noch in den Stollen wird das Geröll in Säcke abgefüllt, die an einer Leine und meistens mit einem Haspel nach oben gezogen werden. Überall sieht man sie dann zu Haufen gestapelt, wie Mauern aus Sandsäcken. Oft sind es Frauen, die diese 25 kg schweren Säcke abtransportieren, zu kleineren Lastwagen.

Die Säcke werden entweder zu einem Pauschalpreis verkauft, oder das Gestein wird in Eigenregie zerkleinert und nach Gold ausgewaschen. Es gibt Dörfer, in denen es kein Haus zu geben scheint, in desseUmschwung oder Hinterhof nicht ganze Batterien von Steinmühlen vor sich hin kreischen und rasseln. Ein grosser Teil der Familie isden ganzen Tag damit beschäftigt, das Gestein zu zermahlen unGold herauszuwaschen. Das geschieht mit Hilfe von Quecksilber. Für die Steinmühlen und Chemikalien haben die Leute Kredit aufgenommen. Falls zu wenig Gold anfällt, sieht es für die Zukunft einer Familie nicht gut aus. Die Kredite können nicht zurückbezahlt werden und die Verschuldung wird unausweichlich sein.

Akute und schleichende Gefahren

Zur Goldgewinnung werden hochgiftige Chemikalien verwendet, Quecksilber, Cyanide, Arsen, Blei. Kaum jemand hat eine Ahnung vom richtigen Umgang damit. Nicht nur das Land wird verseucht, besonders gefährdet sind die Bäche und Flüsse und das Grundwasser. Aber auch das Meer, in dem sich zahlreiche Korallenriffe und wichtige Fischfanggründe befinden. Von den gesundheitlichen Folgen, die erst nach ein paar Jahren auftreten, haben zwar die meisten schon gehört. Aber was soll's? Die Verlockungen des schnellen Reichtums wiegen schwerer als die besten Argumente für den Umwelt- und Gesundheitsschutz.

Die Gründe des Gold Rush

Die Gründe dieses Gold Rush liegen vor allem auch in enttäuschten Hoffnungen. Mit dem versprochenen – touristischen – Aufschwung (v.a. auch im Süden) ist bisher nicht viel geworden. Die Jahre zuvor hatten sich unzählige Einheimische von Spekulanten ihr Land abschwatzen lassen. Das Geld war schnell verbraucht, neue Arbeit und Einkommensquellen aber waren nicht in Sicht. So begann ein Teil, das Glück beim Goldschürfen zu suchen. An diesem Goldrausch sind schon längstens nicht mehr nur Einheimische beteiligt, sondern Menschen aus allen Teilen Indonesiens. Diese zugewanderten Glückssucher bedeuten für die Einheimischen direkte und unerwünschte Konkurrenz. Sie verrichten Umweltschäden, übernehmen letztlich überhaupt keine Verantwortung, und ihr Geld investieren sie auch nicht hier.

Und wie ist es mit dem reich werden? Einige wenige haben sicher Glück – oder sie sind gerissener und rücksichtsloser als die anderen – und haben sich neue Häuser und Autos leisten können. Viele müssen aber um ihre Zukunft bangen, weil ihnen wegen zu geringer Goldfunde Verschuldung droht (Steinmühlen, Chemikalien). Und man darf nie vergessen, dass in Lombok jemand schon ziemlich reich ist, wenn er sich eine Hütte und ein kleines Motorrad leisten kann.



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